Geschichte

Hier erfahren Sie einiges über die mehr als 1100 Jahre alte Geschichte der Gemeinde Pfalzfeld. Eine umfassende Abhandlung findet sich in der Chronik „Pfalzfeld – Ein Dorf im Wandel der Zeiten“, die über den Ortsbürgermeister bezogen werden kann.

Im Folgenden wird die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Pfalzfeld vorgestellt, auf die sich die 1100-Jahr-Feier bezog, die im Jahre 1993 veranstaltet wurde.
Anschließend wird auf die Bedeutung der Flammensäule eingegangen, die das Wappen der Gemeinde ziert.

Die Gemeinde Pfalzfeld wurde im Jahre 893 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. In einem von Benediktinermönchen erstellten Verzeichnis über die Einkünfte des Klosters Sankt Goar wird eine Leistung aus der Siedlung Pfalzfeld aufgelistet. Diese Erwähnung von Pfalzfeld geschah also eher zufällig und sagt noch nichts über das genaue Entstehungsdatum des Ortes aus.
In der Erhebung über die Einkünfte des Klosters St. Goar wird erwähnt, dass dem Kloster 34 „sarcilen“, das sind Tücher, die für die Kleidung der Mönche bestimmt waren, geliefert wurden. Von diesen 34 Tüchern wurden 18 aus St. Goar, 2 aus Biebernheim, 1 aus Diebach, 12 aus Beltheim und 1 Stück aus Pfalzfeld geliefert.
Da Pfalzfeld nur ein Stück lieferte, kann angenommen werden, dass die Siedlung Pfalzfeld im Jahre 893 noch in den Anfängen steckte. Allerdings war sie schon so konsolidiert, dass dort in den Wintermonaten gewebt wurde. Es kann auch sein, dass Pfalzfeld (und auch die anderen Siedlungen) noch weitere Lieferungen und Leistungen erbrachten, welche im Verzeichnis nicht aufgeführt sind, da sie nicht direkt an das Kloster, sondern an die Zelle Sankt Goar gingen und dem täglichen Unterhalt dienten.

Auszug aus dem Verzeichnis (Prümer Urbar)

Diese erste urkundliche Erwähnung im Jahre 893 bedeutet noch nicht, dass die Anfänge von Pfalzfeld in dieser Zeit liegen müssen. Allerdings läßt sich die Gründung der Siedlung Pfalzfeld aufgrund eines weiteren Dokumentes in diesen Zeitraum einordnen.
Eine Schenkungsurkunde aus dem Jahre 820 von Kaiser Ludwig dem Frommen an das Kloster Sankt Goar beinhaltet das große Waldgebiet westlich des Rheins bis hin zum Baybach. In dieser Urkunde wird zwar die Siedlung Biebernheim, nicht aber die Siedlung Pfalzfeld aufgeführt.
Zwar wurden in Schenkungsurkunden keineswegs immer alle Siedlungen aufgeführt, aber da Biebernheim genannt ist, kann davon ausgegangen werden, dass auch Pfalzfeld aufgeführt worden wäre, wenn die Siedlung zu diesem Zeitpunkt bereits existiert hätte. Somit muss Pfalzfeld zwischen 820 und 893 als Neurodung des linksrheinischen Waldgebietes angelegt und besiedelt worden sein. Vor diesem Hintergrund fand im Jahre 1993 die 1100-Jahr-Feier der Ortsgemeinde Pfalzfeld statt.
Es wird nicht ausgeschlossen, dass es vor 893 oder gar zur Römerzeit hier schon einmal eine Siedlung gab.

Quelle: Chronik (Pfalzfeld – Unser Dorf im Wandel der Zeiten)


Das Wappen der Ortsgemeinde Pfalzfeld zeigt eines der bedeutendsten erhaltenen Grab- oder Kultdenkmäler des 5./4. Jh.v.Chr. nordwärts der Alpen. Es handelt sich bei der keltischen Säule eigentlich um einen Pfeiler oder eine Stele, da eine Säule tragende Funktion besitzt. Die Bezeichnung „Säule“ hat sich allgemein eingebürgert und geht wohl auf ihre volkstümliche Benennung als „Flammensäule“ zurück. Der hessische und oldenburgische Geschichtsschreiber Johann Just Winckelmann (1620 – 1699) hatte die Säule kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg am 15. Juli 1649 auf dem mit Dornen, Disteln und Gesträuch bewachsenen Friedhof des sehr verwüsteten und gänzlich unbewohnten Pfalzfeld entdeckt und sie als ein „sehr altes Römisches Monument in Gestalt einer Flamm-Seulen“ bezeichnet. Zweifellos war damit die auf allen vier Seiten des Obelisken sichtbare Spiralverzierung gemeint, die lodernden Flammen ähnelt.

Flammensäule im Museum

Flammensäule im Museum

Winckelmann war indes nicht der erste, der die Säule bekanntgab. Dreißig Jahre zuvor hatte sie erstmals W. Dillich in seinen Landtafeln Hessischer Ämter zwischen Rhein und Weser abgebildet und auf dem Kartenblatt des Amtes Rheinfels mit der Vogtei Pfalzfeld im Jahr 1608/09 mit dem Standort östlich der Kirche Pfalzfeld als „Obeliscus“ eingetragen und erstaunlich sorgfältig wiedergegeben.

Standort der Flammensäule im Jahr 1608/09

Damals muß die Höhe der Säule ab der runden Basis aufwärts noch 2,20 m betragen haben. Sie besitzt drei Horizontalrippen auf dem halbkugeligen Fußteil und zeigt einen deutlich hervortretenden, senkrecht verlaufenden „Blattsteg“ in der Mitte des Pfeilerschaftes. Am Kopf mit doppelter blasenförmiger „Blattkrone“ lassen sich Augenlider oder Pupillen und ein herabhängender Schnurrbart erkennen. Falsch dargestellt ist lediglich die Drehung der rechten Randleiste.

Abbildung von 1739

Demgegenüber ist eine weitere Abbildung von 1739, die J. H. Dielhelm als Herausgeber der ersten Auflage des Rheinischen Antiquarius veröffentlichte, äußerst ungenau. Weder die Ornamentik noch der „vermenschlichte“ Kopf sind richtig wiedergegeben. Beide Dar-stellungen sind wohl ganz zeitgemäß dem Kunststil ihrer Epoche, also dem Frühbarock bzw. dem Rokoko, verpflichtet. 1739 war die Säule noch rund 2 Meter hoch erhalten, was dann bis 1845 von Bestand war. Zu dieser Zeit hatte das Denkmal bereits eine bewegte Geschichte hinter sich, die A. Grebel in seiner Geschichte der Stadt St. Goar von 1848 geschildert hat und die immer wieder, vor allem aber von C. Koenen im Jahr 1901, referiert wurde. Koenen war übrigens der erste, der bis 1989 eine umfassende Darstellung der Säule mit dem Titel „Ein rheinisches vorrömisches Sculpturdenkmal“ vorgelegt hat. Auf Befehl des Landgrafen Wilhelms VIII. (1730 – 1760) von Hessen-Kassel wurde die Säule im Jahre 1736 an der Pfalzfelder Kirche ausgegraben und dort vergeblich nach dem Grab eines Römers gesucht. Der Gouverneuer zu Rheinfels, Generalleutnant Baron von Kutzleben, ließ die Säule nach St. Goar bringen und im Kommandanturgarten der Burg aufstellen. 1805 transportierte man dann die Säule auf Geheiß von General A. Lameth nach Koblenz, damit sie im Hof des Generalkommandos Aufstellung finden sollte.
Bereits zwei Jahre später wurde sie durch Bestimmung des Präfekten Lezay-Marnesia an die Grenze der Bürgermeistereien von St. Goar und Pfalzfeld versetzt, und zwar anläßlich der Eröffnung der neuen Straße von St. Goar über den Hunsrück, in die Nähe der alten Römerstraße von Trier nach Koblenz. Diese Stelle trug bis zum Bau der linksrheinischen Autobahn (A 61) die Bezeichnung „An der Pyramide“, im Volksmund „Permitt“ genannt.

Rekonstruktion der Säule mit den jeweiligen Daten ihres Erhaltungszustandes

Das sollte aber keineswegs ihr letzter Standort sein! Landrat Heuberger ließ die Pfalzfelder Säule 1845 erneut nach St. Goar bringen. Anfangs auf dem evangelischen Friedhof, dann auf dem Marktplatz, später freistehend auf-, ab 1908 in einer Nische der Friedhofsmauer eingestellt, setzte ihr massiver Substanzverlust ein, so dass sie um 1900 nur noch die heutige Höhe von 1,48 m aufwies. Dies veranlaßte das Provinzialmuseum zu Bonn im Jahre 1907, einen ersten Abguß herzustellen und eine bessere Unterbringung seitens der Stadt St. Goar zu verlangen. So wurde die Säule ab 1934 in der eigens dafür hergerichteten Sakristei der Schloßruine Rheinfels aufgestellt, auf Bemühen des Oberpräsidenten der Rheinprovinz und des Landesmuseums aber endgültig am 03.03.1936 nach langjährigen Querelen dem Museum als Geschenk überlassen; ein Vorgang, den die Stadt St. Goar erst Anfang August 1938 anerkannte. Bereits in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte sich der Pfalzfelder Lehrer Weirich bemüht, die Säule an ihren ursprünglichen Fundort zurückzubekommen, was aber von dem damaligen Bürgermeister von St. Goar, Hartdegen, abschlägig beschieden wurde. Heute stellt die Säule eines der bedeutendsten Ausstellungsstücke der vorgeschichtlichen Schausammlung des Landesmuseums Bonn dar.
Es ist mehr als erstaunlich, daß trotz des neunfachen Ortswechsels so viel von dem Monument erhalten geblieben ist, denn es stand auch in Pfalzfeld nicht am ursprünglichen Platz, wenn dort nicht ein Grabbezirk eines sozial höhergestellten keltischen Adeligen oder ein vom Totenkult völlig unabhängiges Kultdenkmal angenommen wird.

Die vier Seitenansichten der Säule

Ursprünglich muß die Säule sonst auf jeden Fall an ihrem zehnten Standort eines der umliegenden Hügelgräber der jüngeren Hunsrück-Eifel-Kultur in den Ortschaften Pfalzfeld, Birkheim, Hausbay, Norath oder Utzenhain bekrönt oder betont haben.
Als die Säule in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in St. Goar war, existierte offenbar noch eine runde, etwa 40 cm Durchmesser haltende Basis mit oberem Horizontalwulst, die ebenso verschollen ist wie die Spitze. Von ihr berichtet eine Zeugenbefragung des Landgrafen Ernst (1649 – 1693) von 1690, dass „der alten Leute desselbigen Orts Aussage nach vormals oben auf dieser Säule ein Kopff in der Gestalt eines Menschen gestanden habe, der aber davon abgerissen worden“ sei. Diese Beschreibung wie die Zeichnungen von 1608/09 und 1739 sowie eine verschollene Skizze vor 1845 und die Fotos seit etwa 1900 erlauben es, bei Beachtung der Proportionen die Gesamthöhe der Stele plus Bekrönung auf etwa 2,80 m Länge von Anfang der Basis-Halbkugel an zu rekonstruieren. Aus statischen Gründen muß sie aber zusammen mit dem runden Basisschaft insgesamt gut 3,50 m lang gewesen sein.
Es ist wahrscheinlich, daß die nicht überlieferte Stelenspitze von einem fünften kleineren, vielleicht doppelgesichtigen Kopf in Büstenform geziert wurde und der pyramidenförmige Schaft darunter eine randliche Kerbleiste aufwies. Das Ende des in der Mitte senkrecht verlaufenden „Blattstegs“ könnte am ehesten von einer Palmette bekrönt gewesen sein. Damit kommen wir zur eigentlichen Beschreibung der Verzierung auf der Säule. Vorab sei aber vermerkt, dass sie nach Untersuchungen des Geologen M. Weiß am ehesten aus Buntsandstein der Saar-Nähe-Senke hergestellt worden ist, da eine Lieferung als Rohling über die Nahe den Rhein abwärts viel eher zu bewerkstelligen war, als ähnlichen Sandstein von der Wittlicher Senke oder von der Mosel auf dem Wasserweg an den Ort Pfalzfeld zu bringen.

Die Stele besaß ursprünglich einen säulenförmigen Schaft, auf dem eine dreifach waagerecht gerippte phallusartige Halbkugel aufsaß. Auf ihrer Mitte liegt schief eine quadratische Säulenbasis auf, der der obeliskenförmige Aufsatz folgt. Diese Teile sind auf allen vier Seiten gleichartig verziert und aufgrund der Erhaltungen und der alten Zeichnungen recht gut rekonstruierbar. Trotz einer Reihe Beschädigungen kann folgendes gesagt werden:
Die Verzierungen sind unter Beibehaltung eines Grundmusters in Einzelheiten unterschiedlich orientiert. Neben liegend und stehend angebrachten Spiralen an der Säulenbasis und an den aufgehenden Seitenflächen fallen zunächst die seilartig gedrehten Stege der Kanten auf. Im Mittelfeld ist jeweils ein maskenartiger Menschenkopf mit Glotzaugen und kantiger Nase plaziert, der auf der Stirn ein dreifaches Blatt, Augenbrauen und ein Horizontalband zeigt und der einen dreifachen „Palmettenbart“ aufweist. Ein spitz zulaufender Schnurrbart ist erkennbar. Der Kopf wird von zwei blasenförmigen Teilen einer „Krone“ überwölbt. Daran schließen sich oberhalb von einem schildförmigen Dreiecksmuster zwei gegenständige Spiralen und eine Dreifach-Palmette sowie ein „Blattsteg“ an, der beidseitig von einem Doppelblattmuster bis zur Spitze begleitet wird. Das Aussehen dieses Teils ist zeichnerisch nicht überliefert, aber annähernd rekonstruierbar.
Die hervorgehobene Stellung des Kopfes auf der Stele weist zunächst auf den besonderen Kopfkult der Kelten hin, denn der Kopf wurde bei ihnen als Mittelpunkt des Seins angesehen. Der Gedanke, menschengestaltige oder mit Köpfen versehene Stelen zu errichten, geht im westmitteleuropäischen Raum zweifellos auf italisch-mittelmeerische Vorbilder zurück. Dieser Einfluß ist seit dem 7. Jahrhundert v.Chr. faßbar und erreicht nach 500 v.Chr. einen Höhepunkt, da die Kelten mittelmeerisches Stilempfinden in der ihnen ganz eigenen Art umdeuten und umbilden. Die in die Zeit um 400 v.Chr. gehörige Pfalzfelder Säule spiegelt dies in der Darstellung der Masken und Ornamente vorzüglich wider. Die Verbindung von Menschenmaske und Phallus deutet auf eine unheilabwehrende Droh- und Abwehrfunktion der Säule hin, um den Grab- und Kultbezirk zu schützen.

Derartige Säulen wurden jedoch nicht nur aus Stein, sondern sicher in erheblich größerem Maße in Holz gefertigt. Sie können äußerst farbig bemalt gewesen sein. Nur auf oder in der Nachbarschaft von Gräbern gehobener keltischer Persönlichkeiten dürften Säulen von der Qualität der Pfalzfelder gestanden haben, wenn sie nicht reine Kultobjekte darstellten.
In der Frühlatenezeit, dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr., erlebt das Rheinland einen seiner kulturellen und zivilisatorischen Höhepunkte innerhalb der vorgeschichtlichen Zeiten. Die Ausbeutung von Eisen- und Kupferlagerstätten sowie die verkehrsgeographische Situation befähigt die ansässige keltische Bevölkerung und ihre Führungsschicht, mittelmeerisch-etruskische Importe in Gestalt von Trinkgeschirren und die damit verbundene Lebensart zu „übernehmen“. Keltische Adelige errichten Burganlagen, lassen sich im Unterschied zu den abhängigen Bauern und Handwerkern in aufwendigen Grabkammern, teilweise mit zweirädrigen Streitwagen, beisetzen. Sie übernehmen u. a. Trink- und Eßgewohnheiten (mit Mischkessel, Schnabelkanne, Schale, Trinkhorn) sowie zivilisatorische (so die schnell laufende Töpferscheibe) und kulturelle Errungenschaften aus dem Mittelmeerraum. Unter ihrer Führung fertigte eine versierte Handwerkerschaft künstlerisch und kunsthandwerklich hervorragende Güter, die in einem frühkeltischen Stil Mittelmeerisches mit Eigenschöpferischem verbindet. Das Rheinland stellt eines der Zentren dieses neuen keltischen Kunststils dar, der die nächsten Jahrhunderte bis zur römischen Ära prägen sollte. Eines seiner Charakteristika ist die ornamentale Gestaltung geometrischer und pflanzlicher Motive.
Die Pfalzfelder Säule vereinigt, wie andere rheinische Kunsthandwerke der frühkeltischen Zeit, den westkeltischen Pflanzen (Spiralen) – mit dem ostkeltischen Geometriestil (Doppelblattmotivik), während die Maskendarstellung ein überall beliebtes Motiv darstellt. Wie vergleichbare Musteranordnungen des frühkeltischen Stils in Österreich und Baden-Württemberg zeigen, wirkt die gesamte Ornamentik in Pfalzfeld wie eine Übertragung von kleinformatigen ziselierten, gravierten und gegossenen Motiven auf eine überdimensionale Steinplastik.

Von Hans-Eckart Joachim

Quelle: Chronik „Pfalzfeld – Ein Dorf im Wandel der Zeiten“