Verabschiedung Karl Moog

Der 1. Beigeordnete der Ortsgemeinde Pfalzfeld, Franz Braun, verabschiedet Ortsbürgermeister Karl Moog

Lieber Karl,
Herr Bürgermeister Unkel,
Herr Ortsbürgermeister Hammes,
liebe Ratskollegen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

mit der Ernennung von Peter Hammes zum neuen Ortsbürgermeister von Pfalzfeld geht eine Ära zu Ende, das 40 Jahre dauernde ehrenamtliche Wirken von Karl Moog für die OG Pfalzfeld:

  • 15 Jahre als Gemeinderatsmitglied
  • 25 Jahre als Ortsbürgermeister.

Diese Zeitenwende möchte ich zum Anlass nehmen, kurz auf das Engagement von Karl Moog zurückzublicken:

Es begann mit der Gemeinderatswahl im März 1974. Damit wir besser begreifen, wie lange das zurückliegt:
Damals waren 8 der jetzt gewählten 12 Ratsmitglieder noch gar nicht geboren bzw. hatten Pfalzfeld noch nie gesehen   u n d   Deutschland war erst einmal Fußballweltmeister.

Also: Zu dieser Gemeinderatswahl 1974 traten einige junge engagierte Leute (darunter der 23-jährige Karl Moog) an und wollten Bewegung in das Pfalzfelder Gemeindeleben bringen. Das ist ihnen auch schnell gelungen. Unter der Leitung von Ortsbürgermeister Manfred Michel wurde

  • eine Mehrzweckhalle neu gebaut
  • ein Kindergarten eingerichtet
  • der Pfalzfelder Markt mit seiner Jahrhunderte alten Tradition wieder eingeführt
  • das Neubaugebiet „Hofgarten“ erschlossen und
  • mit der Planung und Erschließung des Industriegebietes an der Autobahn begonnen

(um nur einige wesentliche Punkte zu nennen).

Nach 15 Jahren Gemeinderatsarbeit wurde Karl Moog dann am 16. August 1989 als 39-Jähriger zum Ortsbürgermeister gewählt und übernahm die Hauptverantwortung für die Geschicke des Dorfes. In den folgenden Jahren ist in Pfalzfeld Vieles bewegt worden:

  • der Kindergarten musste zweimal mit erheblichem Aufwand erweitert werden
  • ein neuer Kinderspielplatz ist neben dem Friedhof geschaffen worden
  • die Mehrzweckhalle ist renoviert und erweitert worden
  • das Wohngebiet „Hofgärten/Am Scheid“ wurde erschlossen
  • Pfalzfeld hat nach 22 Jahren wieder eine Grundschule bekommen, womit kaum noch jemand gerechnet hatte
  • ein neues Feuerwehrgerätehaus wurde gebaut, dem zuvor das alte Gemeindehaus weichen musste
  • ein neues Gemeindehaus ist – zu einem beachtlichen Teil in Eigenleistung – an die Mehrzweckhalle angebaut worden
  • der Backesplatz wurde neu gestaltet
  • die alte Backesglocke bekam wieder einen würdigen Platz
  • die Industriegebiete beschäftigten Bürgermeister und Rat fast ununterbrochen:
    • das Industriegebiet „An der Autobahn“ wurde erschlossen, die gemeindeeigenen Grundstücke mussten vermarktet werden und Nutzungsänderungen waren unausweichlich,
    • im Industriegebiet „Layen“ sind die Straßen, Gehwege und Beleuchtung erneuert worden
  • am Bahnhof ist eine Keltengedenkstätte entstanden
  • die Problematik der Dorfkernsanierung ist bewusst geworden und mit dem Ankauf zweier alter Häuser wurden erste Fakten geschaffen
  • und vor kurzem wurde der Neuausbau der Hausbayer Straße auf den Weg gebracht

Dies alles ist gelungen, ohne die nachfolgende Generation mit Schulden zu belasten:
Pfalzfeld ist am Ende der Amtszeit von Karl Moog schuldenfrei und das auch ohne eigene Pachteinnahmen für Windradstandorte.

Alle genannten Vorhaben (und das war keine abschließende Aufzählung) wurden in unzähligen Gemeinderatssitzungen vorbereitet, besprochen und entschieden. Die Sitzungen liefen meist harmonisch und geprägt von sachlichen Diskussionen ab.

Aber zwei Entscheidungen, bei denen es sehr aufgeregt und emotional herging, werde ich wohl nie vergessen:

  1. Ende 1994, als nach langem politischem Ringen die Zusage zum Bau einer neuen Grundschule zum Greifen nahe war und es lediglich noch um die Festlegung des Schulstandortes ging und
  2. 2007/2008, als über Nutzungsänderungen im Industriegebiet an der Autobahn zu entscheiden war und gewisse Investoren dort einen Erotikfachmarkt und ein großes Edelbordell errichten wollten.

In der Rhein-Zeitung waren damals neben unzähligen Leserbriefen zum Thema „Schule“ auch Schlagzeilen wie
„Was ist bloß los in Pfalzfeld?“     oder
„Schulstandortdebatte hatte parlamentarisches Vorspiel und gehörige außerparlamentarische Begleitmusik“  zu lesen

Und zum Thema „Industriegebiet“ stand im „Bauchladen“ der Rhein-Zeitung samstags einmal ein Beitrag mit der Überschrift „Don Dübbeldo und Karlone“ und ein anderer Artikel hatte die Schlagzeile „Eklat überschattet die Gemeinderatssitzung in Pfalzfeld“. (Zur Klarstellung: dieser sogenannte Eklat wurde nicht durch den Ortsbürgermeister ausgelöst). Dem Ortsbürgermeister und dem Rat ist es aber in beiden Fällen gelungen, auf der Sachebene an den Interessen des Dorfes orientierte Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen.

Bei der Industrieansiedelung sind wir zwar nicht so erfolgreich wie die Nachbarindustriegebiete an der A 61, aber es ist mit Vernunft, Beharrlichkeit und letztlich auch mit juristischen Mitteln gelungen, Abstoßendes von unserem Dorf fernzuhalten.

Den Bau der neuen Grundschule würde ich sogar als den größten politischen Erfolg der Ortsgemeinde Pfalzfeld in der Ära „Karl Moog“ bezeichnen. Die Gemeinde hatte erfolgreich die einmalige Chance realisiert, historische Fehler auszubügeln, die in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Pfalzfeld und in den angrenzenden Dörfern auch vor dem Hintergrund unterschiedlicher Konfessionszugehörigkeiten gemacht wurden.

Ein Höhepunkt der Amtszeit waren sicherlich die Feierlichkeiten anlässlich der 1100-Jahr-Feier im Jahre 1993, verbunden mit unendlich viel Arbeit und Aufwand. Wir alle, die das damals miterleben durften, erinnern uns immer wieder gerne daran. Diese gemeinsamen Anstrengungen des ganz überwiegenden Teils der Bevölkerung führten damals zu einer spürbaren Stärkung des Zusammenhalts im Dorf.
Diese gute Stimmung wirkte sich auch auf das Ergebnis der Kommunalwahlen 1994 aus, als Karl Moog bei der Wahl zum Ortsbürgermeister ein Traumergebnis von über 93 % Zustimmung erreichte.

Dass dieses Ergebnis in den folgenden 20 Amtsjahren nicht mehr zu steigern war, ist für niemanden überraschend. Im Interesse des Allgemeinwohls sind im Laufe der Jahre manchmal auch Entscheidungen zu treffen, die nicht jeden individuell zufriedenstellen. Eine Erfahrung, die vielleicht auch der neue Ortsbürgermeister machen wird…

In diesem Jahr hat uns Karl Moog gezeigt, dass er auch nach 40 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit immer noch herausragende Wahlergebnisse erzielen kann. Er stellte sich erneut erfolgreich den Wählerinnen und Wählern auf Kreis- und Verbandsgemeindeebene und wurde auf den Listen jeweils weit nach vorne gewählt, beim Kreistag von Platz 15 auf 9 und beim Verbandsgemeinderat sogar vom 19. auf den 7. Rang. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit Dir, lieber Karl, in diesen Funktionen.

Die Funktion des Ortsbürgermeisters endet am heutigen Tag. Wie ich Deiner Einladung für heute Abend entnommen habe, verbindest Du mit diesem Ende den Beginn von neuen Freiheiten. Ich wünsche Dir, dass Deine Erwartungen erfüllt werden und danke Dir im Namen der Ortsgemeinde für Dein Jahrzehnte langes Engagement und persönlich für die sehr lange und gute Zusammenarbeit!

Lieber Karl,
damit weiter guter Kontakt zu uns, dem Gemeinderat, aber auch zu den Nachbarn und allen Einwohnern des Dorfes erhalten bleibt und keine trennende „Hecke“ zwischen uns hochwächst, schenken wir zum Abschied einen Gutschein der Fa. H+H-Gartentechnik Lingerhahn zum Kauf einer Motorheckenschere.

Und weil ein pensionierter Ortsbürgermeister seinen Ruhestand auch ein wenig genießen soll, legen wir noch ein paar Flaschen edlen Spätburgunder vom Weingut Goswin Lambrich dazu.

Jetzt wäre ich eigentlich am Ende meiner Ausführungen, wenn die Amtszeit von Karl Moog nicht von einem „hellen Stern“ begleitet worden wäre. Und damit meine ich seine Frau Brigitte. Oft ist es so, dass bei der Verabschiedung eines Mannes aus einem Ehrenamt der Gattin dafür gedankt wird, dass „sie ihm bei allem den Rücken frei hielt“. Das ist hier anders. Was Brigitte Moog in den vergangenen 25 Jahren auch ohne Aufwandsentschädigung für die Gemeinde geleistet hat, geht weit, sehr weit, über ein „Rückenfreihalten“ hinaus.
Zwei Dinge möchte ich besonders erwähnen:

  1. Das ständig den Jahreszeiten angepasste Schmücken von Dorfplätzen mit Blumen und Pflanzen.
  2. Die Jahr für Jahr aufwändig vorbereiteten und liebevoll gestalteten Altentage.

Ich bin überzeugt, dass Brigitte auch eine wichtige Beraterin des Ortsbürgermeisters war. An vielen Gemeinderatssitzungen saß sie aufmerksam und gelegentlich auch emotionsgeladen unter den Zuhörern und ab und zu hatte ich den Eindruck, dass sie gern in das Diskussionsgeschehen eingegriffen hätte.

Liebe Brigitte,
für dies alles und die unzählig vielen kleinen Dinge, um die Du Dich vorbildlich und mit Akribie gekümmert hast, ein herzliches Dankeschön!

Franz Braun

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